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Vegetarisch genießen

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Einleitung Gesunde Ernährung/Landwirtschaft Größte Steinmühle Europas Gabriele Stiftung Jugend kocht Die Zukunft isst vegetarisch

Gesunde Ernährung/Landwirtschaft

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Interview mit:
Roland Becker, Landwirt im Friedfertigen Landbau, www.LebeGeund.de und Dr. med. Arno Schneider, leitender Arzt in der HG Naturklinik Michelrieth, Löwensteinstraße 12 - 15, D-97828 Marktheidenfeld-Michelrieth, www.naturklinik.com

Gesunde Ernährung: Welche Rolle spielt Landwirtschaft?

Es gehen immer wieder Artikel durch die Medien, die gravierende Mängel an Lebensmitteln feststellen. Manch einer fragt sich: Habe ich jahrelang schlechte Lebensmittel gegessen? Hat das Auswirkungen auf meine Gesundheit? Dazu haben wir heute Dr. med. Arno Schneider, leitender Arzt der HG Naturklinik Michelrieth, eingeladen, und er wird uns sicher einiges zu diesem Thema sagen können. Zum anderen steht der Klimawandel nicht nur vor der Tür, er hat bereits begonnen. Dazu hört man immer wieder, dass die Landwirtschaft dabei eine wichtige Rolle spielt, die aber oft unter den Teppich gekehrt wird. Warum? Was müsste in der Landwirtschaft revolutioniert werden, damit die Auswirkungen der Klimakatastrophe abgemildert werden könnten? Das werden wir Roland Becker, Landwirt und Vertreter des Friedfertigen Landbaus, fragen, den wir ebenfalls zu diesem Interview eingeladen haben.

Ve g: Herr Becker, Sie sind Landwirt und vertreten den Friedfertigen Landbau. Viele Leser hören diesen Ausdruck vielleicht zum ersten Mal. Können Sie kurz beschreiben, was den Friedfertigen Landbau ausmacht?

Roland Becker: Wie der Name „Friedfertiger Landbau“ schon sagt, betreiben wir eine Landwirtschaft mit einer ganz anderen Ausrichtung als die konventionelle. Wir achten das Leben - sowohl das Bodenleben als auch das Leben der Pflanzen und der Tiere. Und dementsprechend verhalten wir uns und handeln wir. Wir pflegen diese neue Form der Landwirtschaft nun schon seit über 20 Jahren im Spessart, und wir konnten vielfältige Erfahrungen sammeln, sowohl was den Umgang mit der Natur und mit dem Ackerboden angeht, als auch was die Qualität der Produkte betrifft. Doch darüber vielleicht später mehr.

Ve g: Herr Dr. Schneider, in unserem Gespräch geht es um gesunde Ernährung. Wie ist es denn heutzutage generell um die Qualität der Lebensmittel bestellt? Was können Sie uns als Arzt dazu sagen?

Dr. Arno Schneider: Wenn man den Begriff „Lebensmittel“ verwendet, sollte man eigentlich davon ausgehen können, dass es sich um Produkte voller Kraft und Leben handelt, die dem Wohlergehen des Menschen dienen und ihn gesund erhalten. Das kann man leider heute nicht mehr so sagen. Sehr viele Nahrungsmittel sind keine Lebensmittel mehr, denn sie erreichen aufgrund der lebensfeindlichen Anbau- und Verarbeitungsmethoden, der Umweltbelastung und vieler weiterer Faktoren bei weitem nicht das Qualitätsniveau, das sie eigentlich als echte Lebensmittel auszeichnen sollte. Sie enthalten z.T. viel weniger Inhaltsstoffe, als der Körper benötigen würde, um gesund und leistungsstark zu bleiben. Zu diesen lebenswichtigen Inhaltsstoffen gehören z.B. Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren, Fettsäuren und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe, um nur einige zu nennen. Diese Stoffe sind nicht nur in zu geringem Maß vorhanden, sondern die Pflanzen sind teilweise sehr stark belastet - durch Umweltfaktoren, aber auch durch die Art und Weise, wie sie angebaut werden. Ausgelaugte, mit Kunstdünger, Mist und Gülle oder anderen Tierprodukten überdüngte und durch Gifte belastete Böden können meiner Ansicht nach keine Früchte von hoher Qualität hervorbringen. Der Lebensmittel-Journalist Ulrich Grimm sagt, diese energie- und nährwertarmen Früchte müssten zum großen Teil aromatisiert werden, damit man sie überhaupt noch genießen kann.

Ve g: Warum produziert man denn Lebensmittel, die nicht schmecken
und die man im Nachhinein künstlich aufmotzen muss?

Dr. Arno Schneider: Ich kann mir das eigentlich nur so erklären, dass man danach trachtet, Nahrungsmittel sehr schnell, in sehr großen Mengen und sehr günstig herzustellen. Zum einen liegt dies in der Intention des Landwirtes, der sie produziert, zum anderen hängt es aber auch mit dem Verbraucher selbst zusammen. Hier in Deutschland haben wir z.B. eine Situation wie fast nirgendwo in den entwickelten Industrienationen: dass nämlich nur ein geringer Prozentsatz des monatlichen Gehaltes, rund 18%, für Lebensmittel ausgegeben wird. Die meisten Menschen hier wollen zu einem möglichst günstigen Preis möglichst viele Nahrungsmittel ergattern, um mehr Geld für Urlaub, Freizeit und Vergnügen zur Verfügung zu haben. Weil dies so ist, braucht man sich auch nicht zu wundern, wenn der Erzeuger mitmacht und dann auch entsprechende Nahrungsmittel liefert. In dem Film "We Feed The World" kommt dies sehr deutlich zum Ausdruck: Es geht nicht um Qualität, nur um den Preis.

Ve g: Noch eine Frage an unseren Landwirt: Wie ist es mit dem Friedfertigen Landbau bestellt? Der Landwirt muss ja von etwas leben; Ist er da auch gezwungen, billig zu produzieren?

Roland Becker: Gehen wir in der Zeit ein Stück zurück: In den 50er Jahren bekam der Landwirt, wenn der Kunde für eine DM Brot kaufte, noch 34 Pfennig für sein Getreide. Heute, im Jahre 2007, bekommt er gerade noch drei bis vier Prozent. Der Landwirt musste umdenken, musste rationeller arbeiten. Kleine Betriebe "starben" reihenweise, weil sie nicht mehr wirtschaftlich arbeiten konnten. Heute erleichtert es die industrielle Konzentration, Getreide billig zu produzieren. Wir vom Friedfertigen Landbau haben ein komplett anderes Konzept: Anbau, Verarbeitung und Verkauf liegen in einer Hand. Das heißt, der Verkäufer kennt den Landwirt und den Produzenten; beide arbeiten Hand in Hand. Es ist also niemand dazwischen, der Geld abziehen würde, sondern der Landwirt bekommt noch einen gerechten Preis für das, was er anbaut. Das macht ihn stark, und im Unterschied zu anderen Verbänden kann er eine ganz andere Qualität bieten.

Ve g: Es wäre jetzt interessant zu erfahren, welches die Auswirkungen billig produzierter Lebensmittel aus medizinischer Sicht sind. Gibt es überhaupt Auswirkungen?

Dr. Arno Schneider: Minderwertige Lebensmittel haben auf jeden Fall einen Einfluss, und zwar einen relativ gravierenden. Bevor ich in die Details gehe, möchte ich erst einmal eine Veröffentlichung der "Mental Health Foundation" zitieren, in der es heißt, dass in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Qualität der Nahrungsmittel deutlich abgenommen hat und dass direkte Auswirkungen auf den Gesundheitszustand und auf die Stimmungslage der Bevölkerung bestehen. Die depressiven Verstimmungen und die Reizbarkeiten haben also einen direkten Zusammenhang mit der minderen Qualität der Nahrungsmittel in den letzten Jahren.

Ve g: Ist es nur die mindere Qualität, die sich negativ auswirkt, oder ist es auch die im konventionellen Landbau häufig verwendete Chemie?

Dr. Arno Schneider: Beides wirkt sich signifikant auf die Volksgesundheit aus. Zum einen schwinden die Inhaltsstoffe der Pflanzen immer mehr. Diese Inhaltsstoffe sind ja die Bausteine, die der Körper braucht, um gut zu funktionieren, um den Stoffwechsel gut voranzubringen und um die Nahrungsmittel effektiv umzusetzen. Dazu gehören die Vitamine, die Mineralstoffe, die Spurenelemente, die Aminosäuren, die Enzyme usw. Wenn sie immer weniger werden, hat das zwangsläufig Auswirkungen auf das Immunsystem, auf den Stoffwechsel, auf das Herz-Kreislauf-System usw. Zum anderen spielen Chemikalien, die in den Boden eingebracht oder auf Pflanzen und Früchte gespritzt werden, eine wesentliche Rolle. Z.B. werden teilweise sehr viele Pestizide gespritzt. Diese für den menschlichen Körper giftigen Mittel gegen Unkräuter oder Schädlinge haben teilweise Halbwertszeiten von Tausenden von Jahren und bauen sich nicht ohne weiteres ab. Das heißt, sie kommen nicht nur über die Pflanze in den Körper, sondern auch über den Boden und das Trinkwasser, und schädigen ihn nachhaltig.



Ve g: Kommen denn auch Patienten zu Ihnen in die Klinik, die an den Folgen dieser falschen Anbauweise von Nahrungsmitteln erkrankt sind?

Dr. Arno Schneider: Wir beobachten das immer wieder: Seien es Patienten mit einer Schwächung des Immunsystems oder auch mit Allergien. In den letzten Jahren und Jahrzehnten nehmen die Allergien stark zu. Allergien sind oftmals Reaktionen des Körpers z.B. auf Eiweißstoffe, die für ihn fremd sind. Interessanterweise können Pflanzen nicht nur gesunde, gute Eiweiße produzieren, sondern auch so genannte Stressproteine. Erst in den letzten Jahren ist bekannt geworden, dass Pflanzen genauso unter Stress leiden können wie wir Menschen auch. Wenn man in ihren Lebensraum, in die für sie von der Natur vorgesehene Entwicklung eingreift, z.B. durch Überdüngung, durch Spritzen, durch falsche Ernte u.ä.m., produzieren sie die genannten Stressproteine. Diese gelangen quasi als Fremdproteine wieder in den menschlichen Körper, und die Folgen können vermehrte Allergien sein.
Oder nehmen wir das Beispiel Antibiotika. Über die Düngung mit Mist und Gülle kommen unglaublich viele Antibiotika und andere Medikamente auch auf die Felder. Die Pflanzen nehmen die Antibiotika auf und bringen sie in den Lebensmittelkreislauf ein. Der menschliche Körper entwickelt Resistenzen. Deshalb kann dann so manches Antibiotikum, wenn der Mensch es tatsächlich einmal braucht, nicht mehr wirken. Nicht umsonst ist die Sepsis, die Überflutung des Körpers mit Bakterien, die zweithäufigste Todesursache in Deutschland.

Ve g: Das ist ja eine erschreckende Auswirkung des Landbaus mit Mist und Gülle. Eine Frage an den Landwirt: Wie ist das mit dem Friedfertigen Landbau -
ist er dem biologischen Landbau ähnlich? Welches sind die Unterschiede? Wird hier auch mit Mist und Gülle gedüngt?

Roland Becker: Der Friedfertige Landbau* lässt sehr vieles weg, was andernorts üblich ist, und zwar nicht zuletzt aus den Gründen, die gerade beschrieben wurden. Erstens: Wir haben keine Nutztierhaltung, deshalb auch keinen Mist und keine Gülle für die Felder. Kurz etwas zur Gülle: Wenn man Gülle ausbringt, versiegelt man den Boden für einige Tage. Das bedeutet, dass der Boden nicht atmen kann und viele der Mikroorganismen, die der Boden braucht, getötet werden. Wenn man nun auf einem solchen Boden Pflanzen anbaut, fehlt den Pflanzen einiges - auch im biologischen Landbau. Trotzdem gibt es keinen Anbauverband, der Mist und Gülle verbieten würde, ganz im Gegenteil. Im Friedfertigen Landbau halten wir es ganz anders: Keinen Mist und keine Gülle! Und natürlich auch keinen Kunstdünger, keine Pestizide, keine Herbizide, keine Fungizide etc. Im Gegenteil: Wir pflegen den Boden. Wir wissen, dass nur ein gesunder Boden genau die Mineralstoffe liefern kann, welche die Pflanze braucht, um ihre volle Lebenskraft und Gesundheit zu entfalten und die von den Menschen benötigten wertvollen Inhaltsstoffe zu bilden. Solche Pflanzen und Früchte sind dann auch wohlschmeckend und voller Energie.

Veg: Das bedeutet, dass nicht nur die Pflanze, sondern auch der Boden mit den entsprechenden Nährstoffen versorgt wird.

Roland Becker: Ja. Wir müssen den Boden gesund erhalten, denn im Gegensatz zu so manchen „modernen“ Treibhausanlagen, wachsen die Pflanzen bei uns noch im Boden. Deshalb müssen wir das Bodenleben pflegen und auch „füttern“.

Ve g: Wie kann man sich das vorstellen? Werden da die Regenwürmer gefüttert?

Roland Becker: Wir füttern sie natürlich nicht einzeln (lacht). Aber die Frage ist berechtigt. Wir legen z.B. eine Brache-Wiese an.

Ve g: Was ist das?

Roland Becker: Der Friedfertige Landbau* bedient sich einer Anbauweise, wie man sie von früher her kennt, nämlich der Dreifelder-Wirtschaft. Das heißt: Zwei Jahre Anbau, ein Jahr Pause. In dem Brache-Jahr kann das Feld sich wirklich gut erholen. Es erhält eine Begrünung und wird gemulcht; so wird das Bodenleben gefördert oder eben „gefüttert“. Zusätzlich kann man Laub oder Kleie ausbringen. Wir holen die Getreideschalen bei unserem Müller.

Ve g: Das bedeutet dann aber, dass man ein Jahr lang überhaupt keinen Ertrag von diesem Feld zu erwarten hat. Wie kann man da als Landwirt überleben?

Roland Becker: Die Lösung ist tatsächlich unser Verbundsystem: Vom Anbau bis zum Kunden aus einer Hand. So ist gewährleistet, dass der Bauer einen gerechten Preis bekommt, damit er vernünftig wirtschaften kann.

Ve g: Konkret heißt das wohl, dass zu diesem Verbund auch eine Mühle, eine Bäckerei, eine Feinkost-Produktion usw. gehören und ebenso Läden und Verkäufer, die mit dem Preis einverstanden sind, der dem Wert entspricht?

Roland Becker: So ist es. Die Angehörigen des Verbundsystems schätzen genauso wie wir Landwirte die Früchte, die bei uns im Friedfertigen Landbau auf den Feldern wachsen, und gehen auch entsprechend achtsam mit ihnen um. Das gilt für unsere Feinkost-Produktion, für unsere Mühle, die unser Getreide mahlt, und für unsere Bäckerei ebenso wie für unsere Läden und unseren Versand. Das bedeutet: Der Kunde bekommt vom Anbau bis zu sich nach Hause ein wirklich sorgsam begleitetes, hochwertiges Lebensmittel auf den Tisch.

Ve g: Wir haben über den Unterschied zwischen dem Friedfertigen Landbau und dem Bio-Anbau gesprochen. Ein wesentliches Merkmal des Friedfertigen Landbaus ist, dass es keine Düngung mit Mist und Gülle gibt. Auf dem Lande gehören Misthaufen fast zu einer ländlichen Idylle dazu. Warum sind Mist und Gülle so schädlich?
Roland Becker: Weil die Tierzucht für die Tiere ein einziger Leidensweg ist und nichts anderes als eine konzentrierte industrielle Herstellung von Fleisch. In engen, schmutzigen, stinkenden Ställen stehen die Tiere dicht gedrängt, ohne sich bewegen zu können und ohne je das Tageslicht zu sehen. Ihre Mahlzeiten bestehen vielfach aus verarbeiteten Abfällen, und sie werden auch, wie wir vorhin gehört haben, mit Antibiotika und anderen Chemikalien behandelt. Dieses unermessliche Leid und all diese Stoffe sammeln sich in der Gülle. Und die Gülle wird auf die Felder ausgebracht. Das sind ganz andere Verhältnisse, als man sie von früher kennt. Früher hatte der Landwirt ein paar Kühe im Stall stehen, die sich frei bewegen konnten und auf entsprechenden Weiden ihre Mahlzeiten selbst bestimmen durften. Heute sind die Exkremente oft dermaßen belastet, dass man sie, wie andere giftigen Stoffe auch, quasi als Sondermüll entsorgen müsste, anstatt sie auf die Felder auszubringen.

Ve g: Somit ist klar, dass Gülle kein Dünger, sondern ein Abfallprodukt ist! Dennoch wird sie tonnenweise ausgebracht, damit sie nicht anderweitig entsorgt werden muss.

Roland Becker: Viele Schweinezüchter in Deutschland pachten Felder, damit sie ihre Gülle darauf entsorgen können.

Dr. Arno Schneider: Da kommt noch ein Punkt aus medizinischer Sicht dazu, der vielleicht ganz interessant ist. Man hat nachgewiesen, dass die Scarpi-Erreger, Prionen, ähnlich dem BSE Erreger beim Rind, auf Feldern, auf denen Mist und Gülle ausgebracht worden war, bis zu drei Jahren nachgewiesen werden konnten. Deshalb gibt es eine Empfehlung des Beirats des Bundes-Umweltministeriums, in der es heißt, man solle alles verhindern, was diese Prionen auf die Felder bringt. Das bedeutet doch, wenn ich diese Empfehlung richtig verstanden habe, dass das Ausbringen des gefährlichen Erregers auf die Felder nur durch ein Verbot der Düngung mit Mist und Gülle verhindert werden kann.

Roland Becker: Und die logische Konsequenz heißt: keine Massentierhaltung. Die Menschen sollten auf Fleisch verzichten.

Ve g: Fleisch gilt gemeinhin noch als ein wertvolles, lebendiges Nahrungsmittel.

Dr. Arno Schneider: Es ist lebendig, solange das Tier lebendig ist! Ansonsten muss ich sagen: Fleisch ist für die Ernährung des Menschen absolut unnötig; man kann auch ohne Fleisch gut leben. Ganz im Gegenteil: Viele Studien der letzten Jahre haben gezeigt, dass die vegetarische Ernährung die gesündeste Ernährungsform überhaupt ist, und dass die Fleisch- und Fischernährung krank macht. Viele der heutigen Krankheiten sind zum größten Teil von der Fleischernährung mit beeinflusst. Dazu gehören z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gelenkentzündungen, Arthrose, also Abnutzungserscheinungen der Gelenke. Selbst der Krebs gehört dazu, ja man weiß heute gesichert, dass manche Krebsarten zu 30 bis 40 Prozent mit dem Fleischkonsum zusammenhängen. Wenn man sich also etwas Gutes tun und dabei noch ein gutes Gewissen haben will, und wenn man sich auch noch für den Umweltschutz und den Planeten Erde einsetzen will, gibt es nur eine Konsequenz: aufzuhören, Fleisch zu essen, und Vegetarier zu werden.

Ve g: Da hätte ich eine Frage an den Landwirt, der ohne Mist und Gülle anbaut: Sind die Landwirte des Friedfertigen Landbaus, konsequenterweise alle Vegetarier?

Roland Becker: Ja, wir sind alle Vegetarier. Ich möchte dazu noch etwas bemerken. Unsere Anbauweise ist ja nicht zufällig entstanden. Wir sind Urchristen und richten unser Leben nach den Lehrinhalten der Bergpredigt aus. Für uns Landwirte gilt der zentrale Satz der Bergpredigt: "Was du willst, dass man dir tu', das tue du den anderen zuerst" oder anders herum: "Was du nicht willst, dass man dir tu`, das füg' auch keinem anderen zu" nicht nur für uns Menschen sondern auch für die Tiere, ja sogar für das Feld, für die Pflanze. Und entsprechend sollten wir uns auch verhalten. Wir sollten uns in das Feld hineinempfinden: Lebt es, fehlt ihm etwas? Es kann in einer Saison sehr viel geschehen; ein Getreide kann z.B. fiebern. An bestimmten Pflanzen lässt sich feststellen, was dem Feld fehlt. Dann kann ich auch die richtigen Maßnahmen erspüren: Muss ich Silicea geben oder Urgesteinsmehl? Es gibt viele Möglichkeiten, sich in das Feld hineinzuspüren, ähnlich wie es der Arzt bei Menschen tut. Ich bin froh, dass ich hier gelandet bin, denn es gibt für mich keine bessere Möglichkeit der Annäherung an die Natur, als mit ihr zu arbeiten und mich in sie hineinzufühlen. Und das hilft uns Landwirten auch, insgesamt ganz anders mit der Natur umzugehen. Der Friedfertige Landbau ist also keine Anbautechnik, die durch ein ganz bestimmtes Handeln und Verhalten zu äußeren Erfolgen führt, sondern er bedeutet ein Mitleben mit der Natur und, wie gesagt, ein Leben nach der goldenen Regel der Bergpredigt.

Ve g: Man kann spüren, ohne es messen zu können, dass Lebensmittel, die in diesem Geist entstanden sind, auch eine innere Qualität haben, die der Gesundheit zuträglich ist, und viel besser schmecken. Nun wäre es doch noch interessant zu wissen, welche Anbauweise Sie sich als Arzt von der Landwirtschaft wünschen würden, damit die Menschen gesünder werden.

Dr. Arno Schneider: Was wir hier über den Friedfertigen Landbau gehört haben, stimmt eigentlich schon mit den Forderungen aus medizinischer Sicht überein: dass das Feld ohne Mist und Gülle gedüngt wird; dass es ein gesundes Bodenleben entwickeln kann und dieses Bodenleben auch gefördert wird; dass Pflanzen stressfrei wachsen können, ohne die genannten Stresshormone ausbilden zu müssen; dass die Pflanzen alle Stoffe bekommen, die sie benötigen, um alles optimal entwickeln zu können; dass sie sorgsam behandelt werden - nicht nur während des Wachstums, sondern auch, wenn sie geerntet werden, wenn sie verarbeitet werden, wenn sie gelagert werden.
Ein weiterer Punkt, den ich für sehr wichtig halte, ist, dass auch der Verbraucher selbst mit darauf achtet, was er isst. Denn wenn der Verbraucher keine Qualität fordert, dann gibt es auch keine Notwendigkeit, sie zu produzieren. Wir Menschen sind im Allgemeinen nun mal so, dass es in erster Linie nicht darum geht, was für uns alle gut ist, sondern darum, was wir wollen und was den meisten Gewinn bringt. Das heißt, der Verbraucher müsste den Wert der Lebensmittel wieder schätzen lernen. Das kann er aber nur dann, wenn er sich mit der Natur beschäftigt und wenn sie ihm etwas wert wird; wenn ihm auch die Mitmenschen etwas wert werden. Dann wird ihm auch die Nahrung etwas wert werden. Dann wird er beginnen, sowohl die Lebensmittel als auch den Landwirt zu schätzen, der sich bemüht, im Einklang mit der Natur zu leben und zu arbeiten. Und er wird erkennen, dass ein Landwirt, der die Herzenskommunikation mit den Feldern, mit der Natur aufbaut, von seinem Wesen, von seinem Charakter her wertvoller sein kann als so mancher Intellektuelle, der an der Uni gelernt hat oder lehrt. All diese ethischen Aspekte gehören mit zu dem Bereich der Forderungen aus ärztlicher Sicht, und ich wünsche mir, dass wir sie mehr und mehr erfüllen.

Veg: Wie halten Sie es selbst in Ihrer Klinik? Was bekommen die Patienten zu essen?

Dr. Arno Schneider: Es ist selbstverständlich, dass wir die Lebensmittel aus dem Friedfertigen Landbau verwenden. Und natürlich ist unsere Küche vegetarisch, und das schon vom ersten Tag an - aus ethischen wie auch aus den genannten gesundheitlichen Gründen. Denn wenn wir für die Patienten Gesundheit und Wohlbefinden anstreben und die Patienten das selbst auch wollen, dann ist es klar, dass man als Klinik nicht durch ein Nahrungsangebot mit Fleisch und Fisch für milliardenfaches Tierleid, für Schmerz, Qual und Tod mitverantwortlich sein kann und darf, sondern dass man für das Leben ist, es achtet und es auch fördert.

Ve g: Vielen Dank für das Gespräch und die wertvollen Informationen.