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Vegetarisch genießen

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Älter werden mit vegetarischer Ernährung

Dr. med. Annemarie Groß

Ärztin in der HG Naturklinik Michelrieth. Lang leben? Aber klar! Die meisten Menschen wünschen sich ein langes Leben, aber niemand möchte »alt« sein, krank, hilfsbedürftig oder verwirrt. Was kann man tun, um auch mit fortschreitenden Jahren fit und gesund zu sein? Wir befragten Dr. Annemarie Groß, Ärztin an der HG Naturklinik in Michelrieth.

Veg: Politiker und Krankenkassen klagen über Geburtenrückgang und
suchen verzweifelt nach Lösungen für eine »überalterte Gesellschaft«.
Ist es wirklich so schlimm?

Dr. Annemarie Groß: Wenn man die Altersverteilung der Bevölkerung im Jahr 1950, 2001 und die Prognose für 2050 ansieht, kann man schon erschrecken. Schon heute gibt es viel mehr ältere Menschen als Kinder und Jugendliche. Die heute 30 - 50 Jährigen werden die sogenannte »Methusalem-Generation« bilden. 2050 wird es nur wenige Kinder und Jugendliche und Menschen unter 30 Jahre geben. Die meisten Menschen werden dann über 50 Jahre alt sein, viele Menschen über 70 Jahre. Das bringt für die Gesellschaft ein enormes volkswirtschaftliches Problem, da ältere Menschen öfter krank sind, aber keine jüngeren da sind, die z.B. Krankenkassenbeiträge zahlen.

Veg: Es ist also umso wichtiger, gesund zu bleiben, auch wenn wir älter werden. Was raten Sie?

Dr. Annemarie Groß: Vorbeugen ist auf jeden Fall besser als heilen, und die vegetarische Ernährung kann da einen wichtigen Beitrag leisten. Vegetarier leben erwiesenermaßen länger und gesünder.
Veg: Gibt es für diese Aussage fundiertes wissenschaftliches Material?

Dr. Annemarie Groß: Mehr als genug! Eine Langzeitstudie des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, die 2003 veröffentlicht wurde zeigte beispielsweise klar, dass Vegetarier ein drastisch verringertes Sterblichkeitsrisiko haben: Wurden in einer bestimmten Altersgruppe der Studienteilnehmer nach üblicher Sterblichkeitsrate der Bevölkerung 100 Todesfälle erwartet, sind bei den Vegetariern nur 59 tatsächlich verstorben. Das ist schon enorm! An der Studie, die seit 1978 unter der Leitung von Dr. Jenny Chang-Claude läuft, nehmen rund 1900 Vegetarier teil.
Aber bereits 1997 wurde im Dt. Ärzteblatt eine Studie aus England zitiert: Erforscht werden sollte, ob durch eine vegetarische Diät das Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben, gesenkt werden kann. Die Autoren verglichen die Ernährungsgewohnheiten und die Sterblichkeit an Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs. Die Sterblichkeit des Kollektivs lag um 50 Prozent unter dem der Allgemeinbevölkerung.

Veg: Wie erklärten sich die Wissenschaftler dieses Ergebnis?

Dr. Annemarie Groß: Es war der tägliche Verzehr von Gemüse und frischen Früchten, der zu einer deutlich verringerten Sterblichkeit infolge Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs führte. Daraus leitete man die Empfehlung ab, 5x täglich Obst oder Gemüse zu essen.

Veg: Was passiert im Körper beim Älter werden? Was macht das »Altern« aus?

Dr. Annemarie Groß: Es gibt verschiedene Ursachen, die diskutiert werden: genetische Ursachen, Abnützung, Rückgang des Wachstumshormons usw. Eine Ursache ist auf jeden Fall die vermehrte Produktion von so genannten freien Radikalen. Das sind sind aggressive Atome, denen ein Elektron fehlt, und die auf der Suche nach diesem fehlenden Elektron andere Stoffe, Zellmembrane, Chromosome oder Gewebe im Körper zerstören. In kleinen Mengen ist das kein Problem, in größeren Mengen ist das Reparatursystem des Körpers überlastet: Zellen sterben ab oder verändern sich so, dass Krankheiten entstehen.

Veg: Woher kommen freie Radikale?

Dr. Annemarie Groß: Freie Radikale kommen im Stoffwechsel ganz natürlich vor, werden aber durch äußere Einflüsse wie UV-Licht, Rau-chen, Alkohol, Bewegungsmangel, Übergewicht und Stress verstärkt gebildet. Auch die Ernährung spielt eine wichtige Rolle: Eine fettreiche, vitaminarme Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren, wie sie in tierischem Fett vorkommen, fördert die Bildung freier Radikale und treibt somit den Abnützungs- also Alterungsprozess voran.

Veg: Wie kann man den Körper vor dem vorzeitigen Altern schützen?

Dr. Annemarie Groß: Es gibt Stoffe, die sozusagen als Radikalfän-ger wirken, die so genannten Antioxi-dantien. Diese schützen die Körperzel-len und haben einen positiven Einfluss auf den Alterungsprozess. Die wichtig-sten Radikalfänger sind Vitamine (z.B. Vit.C, E), Vitalstoffe wie Selen, Coen-zym Q10, Alfaliponsäure und sekun-däre Pflanzenstoffe wie z.B. Bioflavono-ide, Anthocyane usw. Eine Ernährung, die reich an diesen Stoffen ist, wirkt somit dem Alterungsprozess entgegen.

Veg: Gibt es außer den Antioxidantien noch andere Einflüsse auf das Altern?

Dr. Annemarie Groß: Eine weitere Ursache fürs Altern sind "chronische niederschwellige Entzündungen".
Chronische Entzündungen sind wie ein Schwelbrand im Körper. Wir kennen typische Entzündungen z.B. an der Haut oder an einem Gelenk mit Schwellung, Rötung, Überwärmung und Schmerz. Hervorgerufen werden diese Symptome durch bestimmte Entzündungsstoffe, die aktiviert wer-den. Bei der Aktivierung spielen Stress, Viren, UV-Strahlen und radioaktive Strahlen und ebenfalls freie Radikale eine Rolle. Sie können ganze Kettenreaktionen von Entzündungsprozessen in Gang setzen. Dieser permanente »Entzündungsstress« führt zu chronischen Krankheiten wie Arte-riosklerose, Diabetes, Nervenschädi-gungen, Krebs und auch zum rascheren Altern. Bei allen bekannten Phänomenen, die uns altern lassen, sind die Komponenten der niederschwelligen Entzündung direkt oder indirekt beteiligt.

Veg: Kann man da schon vor-beugen, wenn man jünger ist?

Dr. Annemarie Groß: Bei immer mehr Menschen kommt es schon früh durch Übergewicht, Diätfehler und Rauchen zu entzündungsfördernden Prozessen - der Schwelbrand beginnt. Eine regelrechte Epidemie an relativ jungen Typ II-Diabetikern steht uns bevor. Daher wird die derzeitige US-Generation von Teenagern erstmals keine weitere Verlängerung der Le-benserwartung erlangen. Eine Änderung des Lebensstils, Gewichtsabnahme, gesunde Ernährung etc. sind unausweichlich, will man dem entgegenwirken. Besonders die gesättigten Fettsäuren, wie sie im Fleisch vorkommen, führen zu Entzündungsreaktionen im Körper. Hingegen bewirken die "guten Fette" wie die Omega-3-Fettsäuren in Leinöl einen Schutz vor Entzündungsreaktionen. Auch Antioxidantien haben eine entzündungshemmende Wirkung.

Veg: Also ist vegetarische Ernährung besser, was das Altern betrifft?

Dr. Annemarie Groß: Auf jeden Fall! Eine ausgewogene vegetarische Kost mit reichlich Antioxidantien, d.h. viel Obst und Gemüse (5xTag), gute Fette, wie Leinöl oder Rapsöl, Olivenöl, ausreichend Kohlenhydrate und gute pflanzliche Eiweiße wirken den Alterungsprozessen entgegen.
Wichtig ist dabei, dass wir nicht an Gewicht zunehmen oder bei Übergewicht, das Gewicht reduzieren. Eine kontrollierte Studie zeigte kürzlich, dass eine kohlenhydratreiche Nahrung mit niedrigem glykämischen Index zur Gewichtreduktion führt und die beste Diät für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem ist. »Niedriger Gykämischer Index« heißt, dass die Stärke aus dem Nahrungsmittel langsam aufgenommen wird wie z..B. bei Vollkornbrot, Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen. »Hoher glykämischer Index« heißt, dass der Zucker rasch ins Blut geht, wie z.B. bei Süßigkeiten oder Weißbrot usw. Dadurch nimmt man eher an Gewicht zu.

Veg: Gibt es spezielle Ernährungsempfehlungen für ältere und alte Menschen?

Dr. Annemarie Groß: Bei älteren Menschen nimmt zwar der Energiebedarf ab, doch für einzelne Nährstoffe sind die empfohlenen Mengen etwas höher: z.B. sollte der ältere Mensch genügend Kalzium und Vitamin D aufnehmen, was für die Knochen wichtig ist. Auch B-Vitamine wie Vitamin B6 und Vitamin B12 sind wichtig. Bei älteren Menschen ist oft die Aufnahme an diesen wichtigen Stoffen erschwert, da sie über die Magenschleimhaut nicht mehr so gut resorbiert werden können. Dies tritt bereits ab dem 50sten Lebensjahr ein. Daher sollten z.B. Menschen über 50 und Menschen, die sich vegan ernähren, d.h. ohne Milchprodukte, Vitamin B12 als Nahrungsergänzung zuführen.

Veg: Warum ist Vitamin B12 so wichtig?

Dr. Annemarie Groß: Im Alter besteht ein erhöhter Bedarf an Vitamin B12. Ein Mangel kann zur Erhöhung des Homocysteins führen. Dies ist ein Eiweißabbauprodukt und gilt als Risikofaktor für Gefäßerkrankungen und degenerative Erkrankungen des Gehirns. Um diesen Risikofaktor Homocystein abzubauen, brauchen wir viel Vitamin B12, B6 und Folsäure. Folsäure finden wir in großen Mengen im grünen Gemüse.

Veg: Was ist noch bei der Ernährung im Alter zu beachten?

Dr. Annemarie Groß: Ältere Menschen haben oft wenig Appetit und wenig Durst. Eine ausreichende Trinkmenge ist aber ganz wichtig, v.a. auch für die Gehirndurchblutung. Da die Geschmackssinne im Laufe des Alters zurückgehen, sollte man gute Gewürze verwenden. Die Nahrung sollte ausreichend Ballaststoffe für eine gute Verdauung enthalten. Für die Eiweißversorgung sind Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen ideal.

Veg: Vielen Dank für das Gespräch.



Einige Nahrungsmittel, die gut geeignet sind, um vorzeitigem Altern vorzubeugen:
Linsen:
Linsen bestehen zu ca. ¼ aus Eiweiß, 55% aus Kohlehydraten, ca. 1,5% Fett. Sie haben einen hohen Gehalt an Eisen, enthalten viel Kalium und Magnesium, was gut ist fürs Herz, und auch Kalzium. Phosphor und Kupfer stärken die Knochen. Linsen haben einen hohen Gehalt an wertvollen B-Vitaminen. Diese sind für gute Nerven und die Gehirnzellen wichtig. Vor kurzer Zeit hat man entdeckt, dass die Inhaltsstoffe der Linsen auch vor Infektionen, Arteriosklerose und Thrombose schützen können. Hülsenfrüchte haben zudem einen niedrigen glykämischen Index, d.h. die Kohlenhydrate werden langsam aufgenommen, was Übergewicht vorbeugen hilft.

Walnüsse:
Walnüsse enthalten große Mengen Ellagsäure. Dies ist ein starker Radikalenfänger und ein wichtiger Krebsschutz-faktor. Walnüsse sind auch bekannt für ihren hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren und schützen somit nicht nur vor Gefäßverkalkung, sondern auch vor dem "Schwelbrand" der chronischen Entzündung. Sie enthalten viel Arginin, eine Aminosäure, die für die Gefäßregulation wichtig ist. Walnüsse haben viel Kalzium für die Knochen, enthalten B-Vita-mine, die Vitamine A,D,E, viele Mineralstoffe und ein außerordentlich gut verwertbares Eiweiß. Die Walnuss gilt in ihrer Zusammensetzung als vollwertiges Nahrungsmittel und stabilisiert das seelische Gleichgewicht.
Man sagt, Walnüsse fördern die natürliche Schönheit. Auch sind Walnüsse eine natürliche Quelle für Melatonin, ein Hormon, das für einen guten Schlaf wichtig ist. In Studien konnte auch fetstgestellt werden, dass die Inhaltsstoffe der Walnuss die Häufigkeit von Krebs reduzieren können, die Parkinson- und die Alzheimer-Erkrankung verzögern bzw. mildern und die Schwere von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren können.

Apfel:

Der Apfel hat etwa 300 Biosubstanzen wie organische Säuren, Gerbstoffe, Pektin, ätherische Öle, Vitamin C, B, Kalium, Kalzium, Phosphor, Eisen, Natrium, Zucker. Zu 4/5 besteht der Apfel aus Wasser. Das macht ihn zu einem guten Durstlöscher. Der Apfel hat eine unschlagbare Zusammensetzung an Nährstoffen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Deutsche Krebsgesellschaft haben in Untersuchungen festgestellt, dass Obst, und vor allem der Apfel, die Zelle vor Krebsentstehung schützt. Auch wenn andere Obst- und Gemüsesorten z.T. mehr Vitamin C haben, hat der Apfel durch die Kombination mit dem Pflanzenfarbstoff Quercetin eine hohe Abwehr stärkende Wirkung. Quercetin verhindert Zellschäden, die von freien Radikalen angerichtet werden. Das im Apfel enthaltenen Vitamin C gemeinsam mit dem Inhaltsstoff Quercetin sorgt also dafür, dass das Obststück unschlagbar beim Kampf gegen freie Radikale ist! Das schützt wiederum vor Gefäßverkalkung, den Schwelbrand im Körper und vor Alterung. Der Apfel ist auch ein aktiver Hautschützer - dafür sorgen die enthaltenen Karotinverbindungen, die schädliche UV-Strahlen abwehren und außerdem das Immunsystem ankurbeln. Die im Apfel vorhandenen Phenolverbindungen sind dagegen im Einsatz gegen Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hilfreich. Wichtig für den Menschen sind auch die Sekundären Pflanzenstoffe wie Flavonoide und Carotinoide.

Pflaumen/Zwetschgen:
Enthalten Carotin, B1, B2, reichlich Eisen, Kupfer, Zink, Kalium, Natrium, Phosphor und Kalzium. Dörrpflaumen sind in ihrer Wirkung als Antioxidans fast unschlagbar.