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Vegetarisch genießen

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Gesundes Herz

Dr. med. Hans-Günter Kugler

Ärztegesellschaft zur Förderung der vegetarischen Ernährung e.V. www.fleisch-macht-krank.de

Mit Pillen und Tabletten versucht man, der Arterienverkalkung zu Leibe zu rücken - doch immer noch sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Industrieländern die mit Abstand häufigste Todesursache. Eine wirkungsvolle und günstige Maßnahme zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist die vegetarische Ernährung. Denn die Inhaltsstoffe fleischloser Gerichte können Funktionsstörungen der Blutgefäße und somit die Entwicklung von Arterienverkalkung verhindern. Wir befragten Dr. Hans-Günter Kugler von der HG Naturklinik Michelrieth.

Veg: Sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen tatsächlich so weit verbreitet?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: In den westlichen Industriestaaten sterben pro Jahr mehr Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als an jeder anderen Erkrankung (46 % der Todesfälle). Die koronare Herzerkrankung (KHK) ist die bedeutendste Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die auf einer Verengung eines oder mehrerer Herzkranzgefäße beruht. KHK zeigt sich in verschiedenen Erscheinungsformen, z.B. als Angina pectoris, die durch starke Schmerzen in der Brust gekennzeichnet ist, welche in Ruhe wieder nachlassen. Andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind der Schlaganfall, die periphere arterielle Verschlusskrankheit und der Herzinfarkt. Der Herzinfarkt entsteht durch den Verschluss eines oder mehrerer Herzkrankgefäße; er kann auch in Ruhe auftreten. Das Aussetzen der Blutzufuhr führt in der Herzmuskulatur zu einem schnellen Energiemangel und anschließendem Zelltod . Es gibt auch verschiedene Erkrankungen des Herzmuskels, z.B. hervorgerufen durch Erreger, die das Herz bereits in jungen Jahren stark schädigen können.

Veg: Wie beginnt eine Herz-Kreislauf-Erkrankung und wie kann man vorbeugen?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Dem ganz überwiegenden Teil der Herz-Kreislauf-Erkrankungen liegt eine Gefäßverkalkung (Atherosklerose) zugrunde. Einen erheblichen Einfluss auf die Entstehung oder Vermeidung der Atherosklerose haben die Ernährungsgewohnheiten des Menschen.

Veg: Wie genau kann man durch die Ernährung Atherosklerose vermeiden?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Die Gefäßwände sind innen mit einer Zellschicht ausgekleidet, die man als Endothel bezeichnet. Das gesamte Gefäßendothel ist das größte Organ des Körpers mit bestimmten biochemischen Funktionen. Dazu gehört die Regulierung der Gefäßweite, damit die Durchblutung auf die aktuellen Bedürfnisse der Organe angepasst werden kann. Ein gesundes und intaktes Endothel verhindert das Anhaften von weißen Blutkörperchen und Blutplättchen an den Gefäßwänden, es sorgt für einen reibungslosen Blutfluss. Von den Endothelzellen werden bestimmte Stoffe gebildet, die die Regulierung der Gefäßweite bewirken. Die wichtigste Substanz ist das Signalgas Stickstoffmonoxid (NO), das aus der Aminosäure Arginin gebildet wird - einer der wichtigsten Nahrungsbestandteile für die Blutgefäße.
Wenn die Funktion der Endothelzellen, also der Gefäßwände, beeinträchtigt ist, kommt es zur so genannten "endothelialen Dysfunktion", die den Beginn der meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen darstellt.



Veg: Welche Nahrungsbestandteile schädigen die Gefäßwände am meisten?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Es ist das oxidierte LDL-Cholesterin. Die Bestimmung von Gesamtcholesterin, HDL-Cholesterin und LDL-Cholesterin sind daher häufig durchgeführte Laborparameter in der ärztlichen Praxis, sie geben Aufschluss über das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Cholesterin ist im Blut an verschiedene Transportproteine gebunden. LDL ist die Abkürzung für Low density Lipoprotein, HDL für High density Lipoprotein. Eine hohe HDL-Konzentration ist wünschenswert und schützt vor Gefäßerkrankungen. Ganz anders verhält es sich mit dem LDL-Cholesterin: Die LDL-Partikel enthalten etwa 80 % des Cholesterins des gesamten Blutplasmas. Hauptsächlich über die Leber werden 70% der LDL-Partikel aus dem Blut entfernt. Wenn allerdings zu viele freie Radikale und zu wenig Antioxidantien an den Gefäßwänden vorhanden sind, werden die LDL-Partikel oxidiert. Oxidiertes LDL-Cholesterin ist sehr giftig. Es erhöht die Gerinnungsvorgänge in den betroffenen Bereichen der Blutgefäße; es behindert auch die Bildung und Wirksamkeit von Stickoxid, das für die Regulierung der Gefäßweite wichtig ist. Über verschiedene Schädigungsmechanismen kommt es so schließlich zur Bildung der atherosklerotischen Plaques, die den Blutfluss zunehmend behindern.

Veg: Kann die vegetarische Ernäh- rung das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: In zahlreichen epidemiologischen Studien hat sich gezeigt, dass Vegetarier ein geringeres Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben. Dies lässt sich durch verschiedene Faktoren erklären: Vegetarier haben eine geringere Aufnahme von Cholesterin und gesättigten Fettsäuren. Die gesättigten Fettsäuren haben das stärkste cholesterinanhebende Potential unter allen Nahrungsbestandteilen und sind schlimmer als Cholesterin selbst. Gesättigte Fettsäuren kommen im Fleisch, in Wurst und auch in Vollmilchprodukten vermehrt vor. Vegetarier haben niedrigere Konzentrationen an Fibrinogen, einem Eiweiß, das an der Blutgerinnung beteiligt ist. Dadurch ist bei Vegetariern die Thromboseneigung und die Gerinnungsneigung des Blutes herabgesetzt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass die Endothelfunktion bei Vegetariern besser ist und weniger Oxidationsprodukte im Blutplasma vorkommen. Das LDL ist zudem stabiler, es oxidiert nicht so leicht. Dies kann dadurch erklärt werden, dass mit einer vegetarischen Kost eine Vielzahl antioxidativer Pflanzeninhaltsstoffe zugeführt werden. Pflanzenfasern wirken zudem antientzündlich. Dies dürfte ein weiterer Grund dafür sein, dass Vegetarier ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben als Mischköstler.

Veg: Herr Dr. Kugler, gibt es spezielle Pflanzeninhaltsstoffe, die zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen besonders geeignet sind?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Oft sind die positiven Stoffwechseleffekte pflanzlicher Ernährung nicht auf bestimmte Einzelsubstanzen zurückzuführen, sondern auf das Zusammenwirken vieler Komponenten. Dennoch lassen sich einige Schutzstoffe herausgreifen: Die Vitamine C und E, mit denen Vegetarier übrigens besser versorgt sind als Nichtvegetarier, weisen gefäßschützende Eigenschaften auf. Vitamin E verhindert das Verkleben der Blutblättchen, es schützt das Stickoxid vor oxidativem Abbau und vermindert die Entzündung der Gefäßwände. Vitamin C kann die Oxidation des LDL verhindern und die HDL-Konzentration erhöhen. Eine carotinoidreiche pflanzliche Kost hat insgesamt einen deutlichen Schutzeffekt.
Eine besondere Aufmerksamkeit in der Vorbeugung der Behandlung von Gefäßerkrankungen erfährt zur Zeit die Aminosäure Arginin, da in mehreren Studien überzeugend nachgewiesen wurde, dass durch eine Therapie mit Arginin verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen gebessert werden können. Pflanzliche Proteine sind meist argininreicher als tierische Proteine.

Veg: Welche Nahrungsmittel kann man empfehlen, um einen möglichst guten Gefäßschutz zu erzielen?

Dr. med. Hans-Günter Kugler: Aus den genannten Gründen ist auf jeden Fall die vegetarische Ernährung vorzuziehen. Lebenmittel, die besonders reich an schützenden Stoffen sind, sind z.B. Rosenkohl, Broccoli, Petersilie, Früchte, Beeren, Kartoffeln, die besonders viel Vitamin C enthalten. Vitamin E ist in dunkelgrünen Pflanzenteilen reich enthalten, außerdem in Rotkohl, Weißkraut, Wirsing, Grünkohl, Pastinaken, Karotten, Spinat, Feldsalat. Pflanzliche Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren enthalten ebenfalls viel Vitamin E, also Sonnenblumenöl, Olivenöl oder Weizenkeimöl.
Dann Nüsse! Nüsse sind ein herzschützendes Nahrungsmittel par excellence. Früher wurden Nüsse häufig als Kalorienbomben gebrandmarkt. Inzwischen weiß man aus vielen Studien, dass der regelmäßige Verzehr von Nüssen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senkt. Eine 10-prozentige Senkung des LDL-Proteins kann z.B. erreicht werden durch 40 g Walnüsse, Erdnüsse oder Pistazien oder durch 70 g Mandeln. Mit dem täglichen Verzehr von 70 g Nüssen lässt sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant senken. Nüsse erhöhen das hilfreiche HDL-Cholesterin und verbessern die Insulinempfindlichkeit. Außer Arginin sind es vor allem die einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die die günstigen Wirkungen der Nüsse erklären.

Auch Folsäure wirkt antioxidativ in der Blutbahn und hat einen gefäßschützenden Effekt, da sie für den Abbau von Homocystein erforderlich ist. Homocystein ist neben oxidiertem LDL-Cholesterin ein weiterer wichtiger Risikofaktor für Gefäßerkrankungen. Zum Homocysteinabbau werden die Vitamine B6, B12 und eben Folsäure benötigt, wobei zumindest bei jüngeren Menschen der Folsäure die größte Bedeutung zukommt. Vegetarier haben eine bessere Versorgung mit Folsäure als Mischköstler. Besonders reich an Folsäure sind Bierhefe, grünes Blattgemüse (Salat, Spinat...), Spargel, Petersilie, Broccoli, Kohlrabi, Erbsen und Getreide. Für den Homocystein-Abbau ist, wie erwähnt, Vitamin B12 wichtig. Veganer sollten daher auf eine sichere B12-Quelle, wie z.B. ein Nahrungsergänzungsmittel, bauen.

Gemüse enthält auch viel Salicylsäure, welche die Verklebung von Blutplättchen verhindert. Die Acetylsalicylsäure ist ja weltweit als Wirkstoff zur Blutverdünnung bekannt - als Aspirin. So kann Gemüse dazu beitragen, das Blut zu verdünnen, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Biogemüse ist hier dem konventionellen vorzuziehen, da es erwiesenermaßen höhere Konzentrationen an Salicylsäure enthält.



Veg: Vielen Dank für das Gespräch.

Wo findet man die meisten Schutzstoffe?
Arginin
Nüsse, Sonnenblumenkerne, Sesam, Hülsenfrüchte, Weizenkeime, bei Gemüse: Rosenkohl, Grünkohl, Broccoli, Meerrettich.

Vitamin C (Antioxidans):
Rosenkohl, Brokkoli, Petersilie, Früchte, Beeren, Kartoffeln...

Vitamin E (Antioxidans)
dunkelgrüne Pflanzenteile, Rotkohl, Weißkraut, Wirsing, Grünkohl, Pastinaken, Karotten, Spinat, Feldsalat; pflanzliche Öle mit vielen ungesättigten Fettsäuren, z.B. Sonnenblumenöl, Olivenöl, Weizenkeimöl.

Folsäure
Bierhefe, grünes Blattgemüse (Salat, Spinat...), Spargel, Petersilie, Broccoli, Kohlrabi, Erbsen, Getreide.