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Vegetarisch genießen

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Christliche Traditionen & Vegetarismus

Dipl. Ing. Christoph Michels,

Vegetarisch genießen-Koch

Der Mensch ist doch ein seltsames Wesen, vor allem der sich „christlich“ bezeichnende. Er behauptet, er folge Jesus, dem erklärten Tierfreund, nach - und verspeist doch an dessen Geburtstag, zu Weihnachten, oder am Tag dessen Auferstehung, zu Ostern, ein Lamm: das Symbol des Erlösers.
Ist das nicht paradox ...?


Veg: Herr Michels, Milliarden Tiere werden gerade an "christlichen" Feiertagen wie Ostern, St. Martin oder zur Weihnachtszeit getötet. Jedes Land hat seine eigenen “religiösen” Blut-Traditionen und leider auch seine eigenen Traditionen, was die Tierarten und die Tötung der Tiere betrifft. In Marokko wird z.B. zu Beginn des Fastens an einem einzigen Tag über 5 Millionen Hammeln die Halsschlagader aufgeschlitzt. Hier muss man bei dem Wort "religiös" schon mal kräftig durchartmen, denn keine Religion hat ursprünglich solche Tiermassaker gewollt - im Gegenteil.
In Deutschland werden traditionell zu Ostern Lamm und am Karfreitag Fisch gegessen; zu St. Martin oder zu Weihnachten müssen unzählige Gänse ihr Leben lassen - man nennt sie sogar "Weihnachtsgänse". Über 6 Millionen von ihnen landen in Deutschland allein um die Weihnachtszeit in der Bratröhre. Doch Weihnachtsgänse gibt es nicht nur in Deutschland, es gibt sie auch in Österreich, in der Schweiz, in den USA, in England und in vielen weiteren Ländern. Wie kommt nun z.B. die Weihnachtsgans auf unseren Teller?

Christoph Michels: Viele der Gänse werden aus Ostblockländern nach Deutschland importiert, weil die Bestimmungen des Staates lascher sind und dort der Züchter die Gänse bei der Aufzucht noch mehr quälen darf. Man muss sich vorstellen, dass diese Tiere - in kurzen Wochen nur - mit Kraftfutter richtig stark gemästet werden, um zu Weihnachten möglichst billig angeboten werden zu können.
Gänse werden von Natur aus etwa 15 Jahre alt und sind äußerst liebenswürdig und intelligent. Sie gehören zu den reaktionsschnellsten Tieren und haben ein exzellentes Gehör. Außerdem ist ihnen ein ausgeprägter Familiensinn zu Eigen; sie bleiben ein Leben lang mit ihrem Partner zusammen und trauern, wenn dieser stirbt. Ein weiteres Zeichen, dass Tiere in so manchem den Menschen bei weitem überlegen sind.
Was man den Gänsen antut, ist ein Verbrechen. Denken wir an die "Spezialität Gänseleber". In Deutschland ist ihre Herstellung verboten, aber es werden insgesamt 70 Tonnen Gänseleber importiert. Dazu stopft man den Gänsen drei Wochen lang pro Tag 1,2 Kilo gequollenen Mais mit Salz in den Magen - zwangsweise - und legt ihnen dann einen Ring um den Hals, damit sie die Nahrung nicht wieder hergeben können. Das ist die zehnfache Menge dessen, was sie normalerweise essen würden. Dabei vergrößert sich ihre Leber um das Sieben- bis Zehnfache. Das wird dann bei uns als Spezialität gereicht.

Veg: Ähnlich brutal geht man auch mit den Truthähnen um, mit den Puten, mit den Enten. Sie alle werden in Massentierhaltung - auf kleinstem Raum zusammengepfercht - in Ställen gehalten, in denen kaum das Tageslicht sichtbar ist. Sie kennen nicht die freie Natur, die Wiesen und Gewässer, die Sonne, den Wind. All das, was für die Tiere zum natürlichen Lebensraum gehört, wird ihnen vorenthalten.
Christoph Michels: So starben im Jahr 2002 in Deutschland 30 Millionen Puten. Sie wurden in nur 24 Wochen jeweils auf 7 Kilo Endgewicht gemästet.
Der Mensch ist sehr erfinderisch, vor allem dann, wenn es darum geht, zu seinem eigenen Vorteil den Tieren Leid zuzufügen. Weshalb werden z.B. Tiere - meist ohne Betäubung - kastriert? Damit sie schneller fett werden, damit das Fleisch zarter ist. Die Säugetiere haben einen Vorteil: Sie haben eine Stimme. Oftmals werden sie deshalb betäubt, bevor ihnen so mancher Schmerz zugefügt wird.
Eine Kreatur auf dieser Erde leidet besonders darunter, dass sie keine Stimme hat: Es sind die Fische. Und auch sie werden bevorzugt zu "christlichen" Feiertagen verzehrt. In Deutschland gibt es Karpfen, in Frankreich Lachs, in Spanien Tintenfische aller Art, Schwertfische, Thunfische; auch in Südamerika wird Fisch gegessen: Kabeljau und einiges mehr.
In einer kürzlich erschienenen Ausgabe von "Fish and Fishery", die sich dem Lernen widmete, wurden mehr als 500 wissenschaftliche Dokumente zur Intelligenz von Fischen zitiert, die belegen, dass Fische klug sind, Werkzeuge benützen können und über ein eindrucksvolles Langzeitgedächtnis sowie ausgeklügelte Sozialstrukturen verfügen. Und es wurde eine 2 ½ Jahre dauernde Studie durchgeführt, die doch tatsächlich nachwies, dass Fische fühlen, dass Fische den Schmerz fühlen, genau wie alle anderen Tiere. Doch wie wird mit diesen Fischen umgegangen?
Von Fischen spricht man gar nicht mehr als Individuen. Sie werden nur noch in Tonnen beschrieben. So stammt ein Drittel aller Fische heutzutage aus so genannten Aqua-Kulturen, die mit Beifängen der Hochseeflotte gefüttert werden. Das heißt: Tintenfische und andere Fischsorten, die nicht gewünscht sind, werden zu Fischmehl getrocknet, und damit werden die Aqua-Kulturen gefüttert.
Weltweit werden 650 Millionen Kilo Zuchtlachs im Jahr produziert. Dieser Zuchtlachs wird mit 500.000 Tonnen Fischmehl gefüttert, und dieses Fischmehl wird aus 1,8 Millionen Tonnen pazifischen Kleinfischen hergestellt. Außerdem kommen immer mehr genmanipulierte Turbolachse auf den Markt, die doppelt so schnell wachsen, wie die Lachse es von Natur aus tun würden.

Veg: Sie haben davon gesprochen, dass man bei den Fischen nicht mehr von Individuen spricht, sondern sie nur noch in Tonnen misst. Deshalb spricht man auch nicht vom Töten oder Schlachten, sondern man spricht zum Beispiel von der "Karpfen-Ernte". Jährlich werden weit über 200.000 Tonnen "produziert". Bayern produziert 6000 Tonnen.

Christoph Michels: Eine andere Delikatesse, die “geerntet” wird, ist der Kaviar. Doch eines sollte man dabei nicht vergessen: Wer Kaviar ernten will, muss Störe töten. Denn den Stören wird nach der Tötung der Bauch aufgeschlitzt um ihnen die Eierstöcke zu entnehmen.
Nicht nur Kaviar, Karpfen, Lachs und die vielen anderen kleineren Fische werden zu Weihnachten verspeist. Eine Besonderheit gibt es an der südamerikanischen Küste, denn dort wird auch das Fleisch der Wale gegessen, die durch die Japaner erlegt werden. Die vielen schlimmen Bilder des Walfangs, die über die Fernsehkanäle an uns herankommen, kennen wir alle. Dieses riesige, intelligente Säugetier wird mit Explosiv-Harpunen gejagt. Es schreit nicht auf, es ist stumm. Und die hartgesottenen Harpunisten sagen, sie seien froh darum, weil sie merken, wie das Tier im Todeskampf leidet. Einmal auf dem Schiff, wird der Wal sofort zerlegt. Nicht einmal Fachleute können genau sagen, wann er tot ist. Man geht davon aus, dass er oftmals bei lebendigem Leibe zerschnitten wird.

Veg: Auch die so genannten Krustentiere - man spricht hier auch von “Meeresfrüchten”; dazu gehören Languste und Hummer - müssen für traditionsreiche Gerichte zu "christlichen" Festen in Spanien und auch in Deutschland herhalten. Doch wie wird mit diesen Tieren umgegangen? Wie werden Langusten und Hummer gehalten? Wie werden sie getötet?

Christoph Michels: Diese Tiere werden in Käfigen unter Wasser gezüchtet, gelangen dann über Kühlschiffe in unsere Kühlschränke, und hier bleiben sie wochenlang liegen, bis sie zubereitet werden zum so genannten Festmahl. Diese Zubereitung ist äußerst brutal: Da die Feinschmecker den Schwanz des Hummers gerade genießen wollen, dieser sich aber krümmt, wenn das Tier bei lebendigem Leib 30 Sekunden in kochendes Wasser getaucht wird, bindet man ihn auf einem Brettchen fest. Auch hier kein Schreien, kein Laut, keine Schmerzgeräusche. Es ist völlig normal, Millionen von Hummern und Langusten landen zu den Festtagen so auf unserem Tisch. Hummer könnten 145 Jahre und älter werden.

Veg: Die evangelische Landeskirche in Württemberg hatte 2004 zu einem umwelt-freundlichen Weihnachtsfest geraten, und sie gab auch einen Tipp: Das Wild dürfe im wahrsten Sinne des Wortes "natürlich leben". Deshalb bieten viele Metzgereien gerade um die Festtage Fleisch vom Wildschwein, Reh oder Hasen an. Wie sieht denn nun dieses “natürliche” Leben der Wildtiere und wie ihr Sterben aus?

Christoph Michels: Während ihrer ganzen Lebenszeit werden Wildtiere durch Jäger bedroht, die überall ihre Schussstände aufgebaut haben. Wir kennen die Rehe als sehr scheue Tiere; wir wissen, die Hasen reißen aus, sobald wir als Menschen auftreten, weil sie seit Jahrhunderten Angst vor uns Menschen haben. Dies zum "natürlichen Leben".
Und der Tod, den sie erleiden müssen, ist noch viel unnatürlicher. Wer meint, ein Jäger treffe genau, wenn er schießt, unterliegt dem Jägerlatein. Sehr oft wird das Tier angeschossen, es flüchtet, soweit es noch kann, reißt sich dabei meistens den Bauch auf und verendet unter schlimmsten Qualen.
Ein Politiker, der bei allen Menschen in Deutschland hohes Ansehen genoss, war der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss. Er sagte schon vor nahezu 50 Jahren: "Jagd ist nur eine feige Umschreibung für besonders feigen Mord am chancenlosen Mitgeschöpf. Die Jagd ist eine Nebenform menschlicher Geisteskrankheit." Und wer die Opfer dieser Jagd verspeist, der kann sich dann ausrechnen, mit welchen Menschen er sich solidarisch erklärt.
Die Mehrheit der Deutschen scheint sich jedenfalls mit ihrem ehemaligen Bundespräsidenten in Übereinstimmung zu befinden, denn die meisten lehnen die Jagd ab. Das Meinungsforschungsinstitut EMNID ermittelte in einer Umfrage, dass 76,3 % der Deutschen der Jagd kritisch gegenüberstehen.

Veg: Das Tier, mit dem Jesus von Nazareth symbolisch verglichen wird, das Lamm, wird - welche Ironie! - ausgerechnet zu Seinem Geburtsfest verspeist: besonders in den USA als Lammkeule und in Spanien als Lammrippchen. Und ausgerechnet die evangelische Landeskirche rät zum Verzehr vom Lamm, und zwar vom Wanderschäfer, denn so trage man dazu bei, dass unsere vielfältige Kulturlandschaft erhalten bleiben könne - nämlich durch die Beweidung durch die Schafe. Doch die Beweidung hat ja noch nichts mit dem Töten der Scharfe zu tun.

Christoph Michels: Diese Idylle der alten Welt mit den Schafherden, den Kühen, Herden und den Glocken, ist in Wahrheit keine. Damit z.B. eine Kuh überhaupt Milch geben kann, muss sie ständig schwanger sein, und das gibt viele Kälbchen. Diese Kälbchen werden sortiert: Die weiblichen für weitere Milchkühe; die männlichen,
die man schlichtweg nicht gebrauchen kann, werden als Milchkalb vier Monate lang gemästet und mit einem Endgewicht von 170 Kilo zum Schlächter gebracht. Und damit das Fleisch der Kälbchen auch wirklich zart ist, werden sie in winzige Boxen eingesperrt, die 80 auf 120 cm groß sind. Das ist so klein, dass das junge Tier nicht einmal die Möglichkeit hat, sich umzudrehen, geschweige denn sich hinlegen oder sich ausstrecken könnte. Ihm fehlt dadurch jede Bewegung, und genau das ist der Zweck dieser so genannten "Kälberboxen": Die Muskeln der Tiere verkümmern, aber das Fleisch ist ein Feinschmeckerfleisch.
Jeder, der Kalbfleisch isst, sollte sich bewusst sein, dass er ein Baby isst, denn eine Kuh würde normalerweise 30 Jahre alt werden. Er isst also ein Kleinstkind von nur 4 Monaten.
Jeder ist für sein Tun verantwortlich und muss selber entscheiden, ob er diese Praxis des Quälens und Tötens durch Konsum von Fleisch und letztendlich auch von Milchprodukten unterstützen will oder nicht.

Veg: Vielen Dank für das Gespräch

Georg Bernhard Shaw

(1856-1950), Irischer Dramatiker & Nobelpreisträger 1950 »Tiere sind meine Freunde, und ich esse meine Freunde nicht!«

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Woche für Woche gibt es in Deutschland 4000 zusätzliche Vegetarier.

Den großen Sprung nach vorn machte die vegetarische Bewegung durch die BSE-Krise. Damals hat sich die Zahl der Vegetarier von zweieinhalb Millionen auf etwa fünf Millionen erhöht. Inzwischen sind es sechs Millionen - Tendenz steigend. Besonders unter Jugendlichen ist es oft schick, fleischlos zu leben. Viele begründen ihren Vegetarismus ethisch, andere politisch oder ganz pragmatisch gesundheitlich. Eugen Drewermann sagt: "Ich bin Vegetarier aus Liebe zu den Tieren."
Für diese Haltung gibt es gute Gründe, denn in Deutschland müssen 63 Prozent aller Rinder und Kälber, 66 Prozent aller Mastschweine, 83 Prozent aller Legehennen und 99 Prozent aller Masthühner unter den Bedingungen der Massentierhaltung leben.

Im Durchschnitt isst ein deutscher Mensch pro Jahr über 80 Kilogramm Fleisch und Wurst, und im Laufe seines Lebens verspeist er durchschnittlich 22 Schweine, sieben Rinder, 20 Schafe, 600 Hühner sowie zusätzlich Wildtiere und Süßwasser- und Meeresfische.

Grund genug, Vegetarier zu werden.

Paul McCartney

( *1942), Sänger, ehem. Beatles-Gitarrist »Ich glaube an den friedlichen Protest, und keine Tiere zu essen ist ein gewaltfreier Protest.«