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Vegetarisch genießen

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„Mami?“ - „Ja, mein Kind?“

„Mami, darf ich was fragen?“ Die Mutter lächelte: „Natürlich!“ „Mami, warum müssen Kühe sterben??“ Darauf war die Mutter nicht vorbereitet gewesen. Oft schon hatte ihr kleines Kind etwas gefragt: Warum ist die Wiese grün, warum stinken die Autos hinten so, warum geht die Sonne unter. Aber so eine Frage ... Sie räusperte sich: „Nun, das ist schwierig zu erklären, weißt du.“ Sie schwieg, in der Hoffnung, dass das Kind die Frage vergessen würde. Aber das Kind blieb hartnäckig: „Mami, warum müssen Kühe sterben?“ Die Mutter erkannte, dass sie dieser Frage nicht ausweichen konnte. Sie versuchte es mit einer knappen Antwort! „Nun, weil... na ja, schau, Heuhüpfer müssen doch auch einmal sterben – Kühe ebenso!“ Das war dem Kind offensichtlich nicht genug: „Das verstehe ich nicht! Wenn ich auf einen Heuhüpfer trete, dann ist er tot. Aber wer kann schon auf eine Kuh treten? Die ist doch sooo groß!“ Es gestikulierte, als ob eine Kuh die Größe eines Dinosauriers hätte. Die Mutter seufzte; heute war das Kleine aber wieder besonders hartnäckig! „Wenn eine Kuh sehr alt wird, dann wird sie schwach und dann stirbt sie eines Tages. Das ist mit allen Lebewesen so!“ Das Kind setzte sich hin und grübelte. Endlich, dachte die Mutter. Doch sie hatte sich zu früh gefreut: „Darf ich dich noch etwas fragen?“ Die Mutter nickt nur resignierend. „Warum fahren die Kühe mit den Autos?“ Die Mutter sah das Kind an: “Die Kühe machen was??“ „Fahren mit den Autos. Das habe ich selber gesehen! Ein sooo großes Auto ...“, es zeigt ein Auto in der Größe eines Flugzeugs... „und hinten fahren die Kühe. Mami, warum fahren die Kühe mit dem Auto??“ Die Frage wurde eindringlich wiederholt. Jetzt verstand die Mutter: „Du meinst einen Lastwagen! Da werden die Kühe verladen und irgendwo hingebracht; auf den Schlachthof meistens.“
Sie biss sich auf die Lippen; das hätte sie nicht sagen sollen, denn damit war die nächste Frage vorprogrammiert: „Mami, was ist das, ein Schlachhof?“ „Schlachthof!“ Verbesserte die Mutter. „Das ist ein bisschen schwer zu erklären...“ Das Kind wartete geduldig und sah die Mutter an. „Also, ein Schlachthof ist ein Ort, wo die Tiere geschlachtet werden; getötet, verstehst du?“ „Was für Tiere?“, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. „Nun, Schweine, Schafe ...“ „Auch Kühe?“ „Ja auch Kühe.“ „Warum werden die geschlachtet? Weil sie schon so alt sind?“ „Naja, das ist hier etwas anders; sie sterben, damit die Menschen Essen daraus machen können.“ Das Kind dachte eine Minute nach: „Mami, warum machen die Menschen Essen aus den Kühen?“ Die Mutter wurde ungehalten: „Warum, warum! Was weiß ich, warum! Weil es ihnen schmeckt!“ „Nur weil es ihnen schmeckt? Nur weil es ihnen schmeckt bringen sie alte Kühe um im Schlachhof??“ „Schlachthof!“ verbesserte die Mutter wieder, der das Thema schon langsam unangenehm wurde. „Außerdem bringen sie nicht nur alte Kühe um, sondern junge auch...“ Schon wieder hatte sie mehr gesagt, als sie wollte. „Junge auch?“ kam es prompt. „Wie junge? Ganz junge auch?“ „Ja, ganz junge auch!“ sagte die Mutter, und ein leichter Tonfall von Unbill lag in der Stimme. „Mami, tun sie auch ... tun sie auch...“ „WAS?“ „Tun sie auch Kuhkinder umbringen?“ Die Mutter seufzte: „Ja, das tun sie auch.“ „Warum tun sie das auch? Lieben die Menschen keine Kuhkinder?“ „Kälber heißt das, nicht Kuhkinder!“, verbesserte die Mutter. „Die werden deswegen geschlachtet, weil das Fleisch besonders gut sein soll.“ „Mami!“, „Was ist denn noch?“ „Mami, ich verstehe die Menschen nicht!“ Die Mutter gab es auf: „Komm zu mir, mein Kind! Hör auf zu fragen und genieße das Leben! Denke nicht über Dinge nach, die nicht einmal Erwachsene verstehen! In Ordnung, mein Kind?“
Das kleine Kalb sah seine Mutter mit treuherzigem Blick an: „Ist gut, Mami!“ Und sie schritten über die Wiese eines Bauernhofs, der für seine gute Tierhaltung ausgezeichnet worden war. Da blieb das Kalb erneut stehen. „Mami?“ Die Kuh blickte auf ihr Kind hinab: „Ja, was ist denn noch?“ Die großen Augen des Kalbs blickten hilfesuchend hinauf zur Mutter. „Mami, ich will noch nicht sterben...!“ Und eng, ganz eng schmiegte sich das Kind an die Mutter, die hilflos nach einer Antwort suchte – eine Antwort auf die Frage: Warum??? (Leserbeitrag)