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Schnitzel, das Schwein

Ein leuchtend gelber Plastiküberzug

soll „Schnitzel“ vor den Jägern retten.

»Schweine sind intelligente und sehr saubere Tiere. Es ist ein großes Verbrechen, was die Menschen diesen edlen Tieren antun.«

Wir haben Corinna und Tobias über ihre Erfahrungen mit ihrem Hausschwein »Schnitzel« befragt. Vielleicht hilft das Interview, einige „Noch-Schnitzel-Esser“ zum Nachdenken zu bringen.

Veg: Corinna, wie kommst du dazu, ein Schwein zu halten und nicht einen Hund oder eine Katze?

Corinna: Ich wollte immer mal einen Hund haben, aber aufgrund einer Katzen- und Hundehaarallergie war dies nicht möglich. Doch ich wollte immer ein Tier, zu dem man einen Bezug aufbauen kann, und deshalb hab ich mir ein Schwein geholt, denn das hat Borsten.

Veg: Was für eine Rasse ist das Schwein?

Corinna: Er ist ein Göttinger Minischwein.

Veg: Wie alt war er, als du ihn geholt hast?

Corinna: Er war erst 6 ½ Wochen alt und hat 2 ½ kg gewogen.

Veg: Hat er sich schnell in der Wohnung zurecht gefunden, oder hat er alles schmutzig gemacht?

Corinna: Schmutzig hat er gar nichts gemacht. Am Anfang war er noch ziemlich ängstlich, aber innerhalb von 2 Wochen war er ganz zutraulich.

Veg: Wenn er mal muss, meldet er sich, oder wie macht er auf sich aufmerksam?

Corinna: Am Anfang ging er noch ins Katzenklo, das er selber sofort nach seiner Ankunft gefunden hat, und er hat nie daneben gemacht. Er war immer ganz sauber. Heute meldet er sich, wenn er raus will, also spazieren gehen möchte.

Veg: Inzwischen ist er recht groß geworden. Wie alt ist er jetzt und wie schwer?

Corinna: Im März nächsten Jahres wird er 3 Jahre und bringt jetzt ca. 80 kg auf die Waage.

Veg: Trotz seiner Größe kann man ihn noch in die Wohnung lassen?

Corinna: Natürlich. Das ist überhaupt kein Problem.

Veg: Also er ist überhaupt nicht schmutzig und riecht nicht?

Corinna: Überhaupt nicht. Das hätte ich früher auch nie gedacht. Ich glaubte immer, Schweine seien schmutzige Tiere. Das ist ihr Image, aber es ist ein Vorurteil. Es stimmt wirklich nicht! Das hätte ich nie gedacht, dass ein Schwein so sauber ist. Bei manchen Hunden ist der Eigengeruch ziemlich stark, vor allem, wenn sie nass sind. Beim Schwein ist das überhaupt nicht so, nicht einmal, wenn er feucht ist.

Veg: »Schnitzel« ist ja ein ganz friedliches Tier. Wie kommuniziert er mit euch, und reagiert er auf seinen Namen?

Corinna: Ja, er reagiert auf seinen Namen "Schnitzel" auf jeden Fall.

Veg: Wie kommt man auf so einen Namen?

Corinna: Mein Schwein "Schnitzel" findet jeder goldig und süß, deshalb habe ich mir gedacht, ich nenne ihn so, um die Menschen zum Nachdenken anzuregen, wenn sie das nächste Mal ein Schweinsschnitzel essen.

Veg: Als wir vorher draußen waren mit "Schnitzel", hat er einen sehr intensiven Warnlaut von sich gegeben, so stark, dass ich richtig erschrocken bin. Du sagtest, er signalisiert, dass Leute kommen. Man hat aber weder Leute gehört noch gesehen. Erst nach einer Weile hat man Fussgänger gehört und später gesehen. "Schnitzel" hat sie aber lange vorher wahrgenommen und seine Rudelwarnung abgegeben. Gibt es noch andere Geräusche, von denen man inzwischen weiß, was sie bedeuten oder was er damit ausdrücken möchte?

Corinna: Ja, er macht ganz viele verschiedene Geräusche. Ich hätte nie gedacht, dass ein Schwein so viele verschiedene Tonarten beherrscht. Er quickt sehr hoch, wenn ihm irgendetwas nicht passt. Wenn er tief knurrt, dann will er z.B. sein Essen. Er hat viele verschiedene Laute, und mittlerweile hab ich herausgefunden, was er will, wenn er Laute gibt.

Veg: Wenn er am Abend ins Haus will, schreit er. Bekommt er im Dunklen Angst, oder will er einfach in die Geborgenheit?

Corinna: Er will in die Geborgenheit, ich weiß nicht, ob das Angst ist. Ich denke, er will nachts auf jeden Fall ins Haus, denn sobald es dunkel ist, schreit er richtig intensiv laut, so dass sogar die Nachbarn schauen, ob er verletzt oder etwas Ähnliches passiert ist. Ich hole ihn also, bevor es dunkel wird, herein – und bevor die Nachbarn einen Schock bekommen.

Veg: Wie ist es mit den Fütterungszeiten?

Corinna: Zweimal am Tag, morgens um 5.00 Uhr vor meiner Arbeit und abends um 17.00 Uhr. Am Wochenende gebe ich es ihm zur selben Zeit und lege mich dann wieder schlafen, genauso auch "Schnitzel".

Veg: Wenn es so weit ist, wie meldet er sich dann?

Corinna: Am Anfang quickt er ganz leise, aber wenn ich ihm das Essen nicht gleich gebe, wird er immer lauter.

Veg: Zum Spazieren hat er eine gelbe Leuchtdecke an, als Schutz vor dem Regen – oder vor was?

Corinna: Nein, es ist kein Regen- oder ein Kälteschutz, sondern eine Schutzmaßnahme vor den Jägern. Damit die Lusttöter sehen, dass es kein Wildtier, sondern ein Haustier ist, denn sonst knallen sie ihn einfach ab. Aber sicher ist es trotzdem nicht, weil ihre Ausrede sein könnte, sie hätten gedacht, es sei ein Wildschwein mit einer Plastiktüte auf dem Rücken. Ich fühle mich immer sehr unwohl in der Nähe eines Waldes.

Veg: Hast du ihn immer an der Leine, oder könnt ihr ihn auch frei rumlaufen lassen?

Corinna: Meistens lasse ich ihn ohne Leine frei herumspringen. Zur Sicherheit läuft er, anders als ein Hund, immer hinter mir, denn wenn mir etwas passieren würde, könnte er noch rechtzeitig davonlaufen.

Veg: Hatte »Schnitzel« mal eine Begegnung mit einem Jäger? Wenn ja, wie hat er reagiert?

Corinna: Ja, er hatte letztes Jahr im Sommer eine Begegnung mit einem Grünrock. Ich war mit "Schnitzel" spazieren und hatte ihn an der Leine. Von einer Wiese aus habe ich im Wald einen Jäger auf einem Klappstuhl sitzen sehen. "Schnitzel" hatte ihn noch nicht entdeckt, denn als wir den Jäger passieren wollten, genügte die Kopfbewegung des Lusttöters, und »Schnitzel« begann zu knurren und rannte gleich darauf weg. Ihn an der Leine zu halten, war unmöglich, deshalb ließ ich sie los. Natürlich hatte ich Angst, dass »Schnitztel« abgeschossen würde, und rannte hinter ihm her, so schnell ich konnte. Als sich »Schnitzel« in Sicherheit fühlte, blieb er endlich stehen und wartete auf mich.

Veg: Also hat er intuitiv gemerkt, dass hier Lebensgefahr drohte.

Corinna: Oh ja, so hab ich das noch nie erlebt, das war recht schlimm. Er hatte noch nie etwas mit Jägern zu tun gehabt, er muss es irgendwie gemerkt haben, dass da etwas Gefährliches droht. Er hatte richtige Todesangst.

Veg: Lässt sich »Schnitzel« auch kraulen wie Hunde oder Katzen? Als Fremden lässt er mich nicht so nah heran und ist vorsichtig.

Corinna: Bei mir ist das kein Problem, da lässt er sich kraulen. Er bekommt sogar eine Gänsehaut, sodass sich seine Borsten aufstellen. Dann plötzlich, wie vom Blitz getroffen, fällt er um und will am Bauch gestreichelt werden. Dabei grunzt er so leise, wie eine Katze schnurrt.

Veg: Isst du noch Fleisch?

Corinna: Ich esse schon lange kein Fleisch mehr.

Veg: Wie alt kann »Schnitzel« ca. werden?

Corinna: Er kann so alt wie ein Hund werden, ca. 15 Jahre alt.

Veg: Wie reagieren die Menschen, wenn sie »Schnitzel« begegnen?

Corinna: Schauen tun sie alle, und die meisten finden ihn süß und lustig, vor allem die Kinder haben ihren Spaß mit ihm. Ihnen gebe ich dann Leckerlis, damit sie ihn füttern können. Besonders gut muss ich bei Hunden aufpassen, denn viele haben einen Jagdtrieb und wollen ihn beißen, was leider auch schon zweimal passiert ist. Manchmal gibt es auch ganz blöde Bemerkungen, wie z.B. von einem älteren Herrn, der sich seinem Enkelsohn gegenüber äußerte, man solle doch »die Sau schlachten und Wurst daraus machen«. Der Enkelsohn war völlig irritiert.

Veg: Schweine sind ja sehr schlaue Tiere. Stellt »Schnitzel« manchmal etwas an?

Corinna: Manchmal ist er stur wie ein Esel, aber ansonsten ist er ganz lieb. Einmal, während ich die Wäsche aufhing, hatte ich versehentlich meine Tasche auf dem Sofa vergessen. Als ich zurückkam, hatte er die Tasche heruntergeholt und irgendwie den Reißverschluss aufgezogen. Er hatte sich die ganze Packung Kaugummi (ca. 10 Stück) geschnappt und kaute eine ganze Weile darauf herum, bis er sie dann herunterschluckte.

Veg: Wenn man nach einer neuen Wohnung sucht, ist dann so ein Schwein hinderlich?

Corinna: Ja, leider, denn niemand glaubt, dass Schweine saubere, feine Haustiere sind. Wir suchen im Moment nach einer Wohnung, und es ist sehr, sehr schwierig, etwas zu finden, denn jeder denkt, Schweine seien dreckig, laut und würden stinken.

Veg: Ihr sucht nach einer neuen Wohnung. Ist es zu eng geworden, oder hat es andere Gründe?

Corinna: Wir wohnen direkt neben einer Metzgerei. Das heißt, jeden Montag werden zwei herzzerreißend schreiende Schweine geschlachtet. Die hört »Schnitzel« natürlich auch. Er zittert richtig. Ich versuche es schon immer mit dem Fernseher zu übertönen. Wir müssen hier weg.

Veg: Ich glaube, »Schnitzel« bringt viele Menschen zum Nachdenken.

Corinna: Viele Kinder fragen, wie »Schnitzel« heißt und sind über seinen Namen überrascht. Oft leiste ich dann Aufklärungsarbeit, wie z.B: dass »Schnitzel« leben und nicht sterben will, dass er nicht von den Menschen aufgefressen werden will, denn auch ein Schwein hat viel Lebensfreude.

Veg: Vielen Dank für das Gespräch.